Die Jüngsten werfen am meisten weg: Repräsentative Studie zu Lebensmittelverschwendung

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Anfang Mai findet in Deutschland seit einigen Jahren der "Tag der Lebensmittelverschwendung" statt. Warum Anfang Mai? Weil bis zu diesem Zeitpunkt umgerechnet alle Lebensmittel, die in einem Jahr produziert werden, im Müll landen. Achtzehn Millionen Tonnen Essen werden in Deutschland jährlich weggeworfen, das hat der WWF errechnet. Der meiste Essensmüll stammt aus Privathaushalten, danach kommen Gaststätten und Kantinen, dann folgt die Industrie. Eine Tendenz zu weniger Abfall gibt es nicht. Appinio hat 1000 junge Menschen im Alter von 18 bis 34 Jahren repräsentativ zu diesem Thema befragt. Wie viel Essen werfen sie weg? Tun sie aktiv etwas gegen Verschwendung? Die Appinio-Studie liefert Antworten.
 
Fast 1000 junge Verbraucher aus Deutschland im Alter von 18 bis 34 Jahren wurden im November 2017 repräsentativ zum Thema Lebensmittelverschwendung befragt. Appinio wollte wissen, wie viel eigentlich weggeworfen wird, welche Lebensmittel am häufigsten in der Tonne landen und wie junge Konsumenten eigentlich dazu stehen, Essen vor dem Wegwerfen zu retten. Entsprechend der prozentualen Altersverteilung der deutschen Bevölkerung sind 15 Prozent (154) der Befragten zwischen 14 und 18 Jahren alt, 33 Prozent (332) zwischen 18 und 24 Jahren und 51 Prozent (510) zwischen 25 und 34 Jahre alt. 

 bin.svg 92 Prozent werfen mindestens einmal die Woche Essen weg

Zuerst wurden die Umfrageteilnehmer danach gefragt, wie viele Lebensmittel sie während einer Woche eigentlich so wegwerfen. Ein Stück Obst, die letzten Reste aus einer Käsepackung oder Reste vom Mittagessen des Vortags? Fast jeder Umfrageteilnehmer wirft regelmäßig Essen in den Müll: Von allen Teilnehmern geben 92 Prozent an, mindestens einmal die Woche Lebensmittel wegzuwerfen. 
Am meisten wegzuwerfen scheinen Befragte unter 18 Jahren. Sechzehn Prozent von ihnen geben an, mehr als fünf Lebensmittel pro Woche wegzuwerfen, ganze 45 Prozent lassen drei bis fünf Stücke Lebensmittel in den Müll wandern und ein Drittel (29%) der Minderjährigen wirft ein bis zwei Lebensmittel weg. Weniger Essen wandert bei den 25 bis 34 Jahre alten Befragten in den Müll. Die folgende Grafik zeigt genau, wer wie viel wegwirft:
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bin.svg Abgelaufene Lebensmittel werden oft noch gegessen

Nur die wenigsten jungen Menschen werfen nie Lebensmittel weg. Doch warum landet Essen im Müll? Nur daran, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, kann es nicht liegen. Denn nur ein geringer Teil der jungen Verbraucher sagt, dass sie Lebensmittel wirklich nie essen, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Am häufigsten geben Minderjährige an, dass sie abgelaufene Lebensmittel nie essen (18%), bei den 18 bis 24-Jährigen sind es 14 Prozent und bei den 25 bis 34-Jährigen nur neun Prozent. Genau die Hälfte der jungen Konsumenten gibt an, teilweise Lebensmittel mit überschrittenem MHD noch zu essen und teilweise eben nicht. Von den Befragten zwischen 25 und 34 Jahren sagen 42 Prozent, dass sie diese Lebensmittel immer oder fast immer noch essen, bei den 18 bis 24-Jährigen sind es 32 Prozent und bei den Minderjährigen 33 Prozent.

bin.svgGemüse und Obst landen am häufigsten im Müll

Vergammelte Äpfel, abgelaufene Milch, vertrocknete Gummibärchen - welche Arten von Essen werden eigentlich am häufigsten weggeworfen? Bei jungen Konsumenten sind das vor allem Gemüse und Obst. Mehr als sechzig Prozent sagen, dass bei ihnen unter anderem Grünzeug und Früchte am häufigsten im Müll landen. Siebenunddreißig Prozent sagen, dass Milchprodukte mit am häufigsten weggeworfen werden und achtzehn Prozent meinen, dass es Fleisch und Fisch sind. Nur neun Prozent denken, dass sie am häufigsten Getreideprodukte wegwerfen, sieben Prozent schütten meistens Getränke weg. Wenig überraschend ist, dass nur sechs Prozent der Verbraucher Süßigkeiten am häufigsten wegwerfen - wer lässt schon zu, dass Süßes schlecht wird?
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Dass man gegen Lebensmittelverschwendung etwas tun sollte, dem stimmen fast alle Befragte zu. Fast zwei Drittel (59%) von ihnen antworten auf die Frage, ob man Lebensmittelverschwendung aktiv entgegenwirken sollte, mit einem klaren "Ja", etwas mehr als ein Drittel (34%) sagt "eher ja". Nur fünf Prozent antworten mit "eher nein" und lediglich zwei Prozent finden überhaupt nicht, dass man sich gegen das Wegwerfen von Essen einsetzen sollte. Doch wie setzen sich junge Verbraucher dafür ein, dass weniger Essen im Müll landet? 

bin.svg Interesse an Lebensmittelrettung ist groß, Aktivität eher mäßig

Um das herauszufinden, haben wir sie gefragt, ob sie denn Mitglied bei Foodsharing oder einer ähnlichen Plattform sind. Diese Internetplattformen haben das Ziel, überschüssige Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, kostenlos an Verbraucher zu verteilen. Damit soll Lebensmittelverschwendung entgegengewirkt werden. Privatpersonen, Händler oder Produzenten können kurz vor der Tonne stehende Lebensmittel bei Sammelstellen abgeben oder abholen lassen, von dort aus werden sie dann verteilt. Sonderlich beliebt ist dieses Konzept allerdings bei jungen Verbrauchern nicht. Gerade einmal zwei Prozent sind bei Foodsharing oder ähnlichen Plattformen aktiv und fünf Prozent sind dort angemeldet, aber nicht aktiv. Immerhin kann sich ein Drittel aller Teilnehmer zumindest vorstellen, sich an solchen Konzepten zu beteiligen. Siebenundzwanzig Prozent sagen jedoch, dass eine Plattform wie Foodsharing nichts für sie ist. Ein weiteres Drittel kennt diese Art von Lebensmittelrettung gar nicht. Vor allem bei den Minderjährigen sind Foodsharing & Co unbekannt - knapp die Hälfte (47%) weiß nicht, was das ist. Bei den 18 bis 24-Jährigen sagen das 35 Prozent und bei den 25 bis 34-Jährigen 32 Prozent.
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Allgemein positiv ist die Stimmung gegenüber Lebensmittelrettung bei jungen Verbrauchern aber schon. Wir haben sie gefragt, wie sie denn dazu stehen, weggeworfenes Essen aus Mülltonnen von Supermärkten zu nehmen und weiterzuverwerten. Auf einer Skala von 1 ("finde ich nicht gut") bis 5 ("finde ich sehr gut") sollten die Befragten angeben, wie sie das sogenannte "Containern" finden. Über alle Teilnehmer liegt die durchschnittliche Antwort bei 3,7 - sie denken also tendenziell positiv darüber, Essen aus Containern zu holen. 
 
Interessiert sind die jungen Konsumenten zudem an einem neuen Konzept, das mithilfe der App "Too good to go" ins Leben gerufen wurde: Meldet man sich dort an, kann man über eine App nachsehen, welche Bäckereien, Cafés oder Restaurant in der Nähe am Abend übriggebliebenes Essen zu geringeren Preisen verkaufen. Die Lebensmittel können abends in einem bestimmten Zeitraum dann abgeholt werden. Mehr als zwei Drittel der Befragten (61%) findet dieses Konzept interessant. Fünf Prozent haben soetwas schon ausprobiert und drei Prozent machen es sogar regelmäßig. Jedoch sagen auch 40% der Minderjährigen, dass das nichts für sie sei. Bei den 18 bis 24-Jährigen denken 33 Prozent so und bei den 24 bis 34-Jährigen 26 Prozent. 
 
 

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