67% haben trotz Bereitschaft keinen Organspendeausweis

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Wie stehen Deutsche zum Thema Organspende? Wer hat einen Organspendeausweis und welche Gründe, Ängste und Fehlinformationen halten andere davon ab? Appinio hat eine repräsentative Umfrage mit 1056 Deutschen im Alter von 16- bis 44 Jahren durchgeführt. 

Die Politik versucht neue Ansätze zu finden, um in der Gesellschaft die Bereitschaft für Organspenden zu erhöhen. Die niederländische Regierung hat per Gesetzesänderung bereits den Wechsel von einer Zustimmungsregelung hin zu einer Widerspruchsregelung beschlossen. Dadurch ist jeder Niederländer automatisch Organspender wenn er oder sie sich nicht explizit dagegen ausspricht. Doch welcher Lösungsansatz bzgl. der Organspende findet in Deutschland einen gesellschaftlichen Konsens? Und was hält die Deutschen davon ab, Organspender zu werden? Appinio fragt in einer repräsentativen Studie nach und fasst zusammen, was die 1056 16- bis 44-Jährigen über das ethisch heikle Thema Organspende denken.

 

Bereitschaft ist da

An der allgemeinen Bereitschaft, Organe zu spenden mangelt es laut der repräsentativen Umfrage vom 03.09.2018 zur Organspende nicht. Grundsätzlich sind 65 Prozent der 16-44-Jährigen einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnimmt. Allerdings herrscht eine große Diskrepanz zwischen der Bereitwilligkeit Organe zu spenden und dem tatsächlichen Entschluss, dies auch aktiv zu äußern: nur ein Drittel der Befragten besitzt tatsächlich einen Spenderausweis. Und der wird gebraucht, denn in Deutschland besteht ein sogenanntes Opt-In-System, bei dem man sich aktiv dafür entscheiden muss, Spender zu werden.

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Mangelnde Aufklärung

Ein Unterschied in der Zustimmung, Organe zu spenden ist vor allem im Alter der Befragten auszumachen. Die 18- bis 27-Jährigen scheinen dem Thema Organspende gegenüber am meisten aufgeschlossen zu sein. Denn während 70 Prozent der 18-27-Jährigen sich grundsätzlich dafür aussprechen Organspender zu werden, lehnen 53 Prozent der 16- bis 17-Jährigen dies ab. 93 Prozent der Minderjährigen geben an, keinen Organspendeausweis zu besitzen. Was evtl. daraus resultiert, dass 31 Prozent dieser Altersgruppe nach eigenen Angaben noch keine Gelegenheit hatten sich über das Thema zu informieren. Gemäß dem Transplantationsgesetz können bereits Jugendliche ab 16 Jahren ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende erklären. Es herrscht also besonders bei den Jüngeren ein großer Aufklärungsbedarf, da einige davon ausgehen, dass sie selbst noch zu jung sind, um Organspender zu sein.

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Starkes Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem

Aufklärung und Vertrauen stehen im engen Zusammenhang mit der Entscheidung, sich als Spender auszuweisen. Wer keinen Organspendeausweis besitzt, begründet dies vor allem (26 Prozent) mit der Angst, im Ernstfall medizinisch nicht richtig versorgt zu werden. Außerdem äußern 22 Prozent Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem. Zwar schreibt das Transplantationsgesetz den Krankenkassen und Krankenversicherungsunternehmen vor, ihre Versicherten alle zwei Jahre über die Organ- und Gewebespende sowie Nutzen und Möglichkeiten des Organspendeausweises zu informieren, dennoch geben 23 Prozent an, sich bis jetzt noch nicht informiert zu haben.

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Selbst ein Spenderorgan annehmen? Teils teils

91 Prozent derjenigen, die ihre persönliche Entscheidung zur Organ- und Gewebespende in einem Organspendeausweis dokumentiert haben, würden auch selbst ein Organ annehmen, wenn sie es bräuchten. Hingegen würden nur 50 Prozent derjenigen, die nicht zustimmen selbst ein Organ zu spenden, ein Spenderorgan annehmen. 34 Prozent dieser Gruppe würde nur Organe annehmen, wenn die Spenderorgane aus der Familie oder von Bekannten stammen.

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Verschiedene Lösungsansätze - Zustimmung oder Widerspruch?

Derzeit herrscht in Deutschland laut Transplantationsgesetz die Entscheidungsregelung bzw. die Zustimmungsregelung. Das bedeutet, keiner ist Organspender solange er dies nicht ausdrücklich in einem Organspendeausweis dokumentiert hat. Doch die Politik debattiert für eine neue Lösung.

In den Niederlanden wurde bereits die Widerspruchsregelung eingeführt: Ab 2020 ist jeder volljährige Niederländer grundsätzlich Organspender, es sei denn, er entscheidet sich noch zu Lebzeiten aktiv dagegen. Die Meinung der 16- bis 44-Jährigen unserer Studie ist zu beiden Lösungsansätzen zwiegespalten. 87 Prozent derjenigen, die es grundsätzlich ablehnen Organe zu spenden, bevorzugen die Zustimmungsregelung, also den Status Quo. Im Gegensatz dazu sprechen sich 67 Prozent derjenigen, die grundsätzlich für eine Organspende sind, für die Widerspruchsregelung aus.

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Hier noch einmal die wichtigsten Ergebnisse in der Appinio-Infografik: 

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