Innovationsstudie: Konsumenten wollen bei Produktentwicklung mithelfen

Appinio Research · 13.12.2019 · 7min Lesezeit

Mensch der Notizen auf eine klare Scheibe macht

Deutsche Unternehmen bringen stĂ€ndig neue Produkte auf den Markt, doch mehr als 60 Prozent der Innovationen scheitern.* ZusĂ€tzlich ist vor allem die WettbewerbsfĂ€higkeit deutscher MittelstĂ€ndler bedroht, da sie sich zu wenig innovationsfreudig zeigen.** Wird vielleicht am Konsumenten vorbeientwickelt? Diese Frage haben sich die Marktforschungsplattform Appinio und die Innovationsagentur Facts and Stories gemeinsam gestellt und Antworten bei den Konsumenten gesucht. Hier einige Ergebnisse der reprĂ€sentativen Studie „Konsumentenzentrierte Produktinnovation“.

 

Sie wollen parallel noch in die Zahlen hinter dem Blogbeitrag eintauchen? 

 


FĂŒr die Studie wurden 1.005 Deutsche zwischen 16 und 65 Jahren im Oktober 2019 bevölkerungsreprĂ€sentativ befragt. Appinio und Facts and Stories untersuchte unter anderem die EinschĂ€tzung des Innovationspotenzials verschiedener Unternehmenstypen, die Bereitschaft von Konsumenten bei der Produktentwicklung mitzuwirken (Customer-Co-Creation) sowie die ideale Zusammensetzung von Innovationsteams aus Verbrauchersicht. 

 

Die gesamten Studienergebnisse haben Appinio und Facts and Stories in einem 50-seitigen Report zusammengefasst. Interessierte können den Report zu Studie "Konsumentenzentrierte Produktinnovation" unter Angabe von Kontaktdaten herunterladen.

Hier geht's zu den Studienergebnissen!


 


Wo kommen die besten Ideen her? Innovationspotenzial nach Unternehmenstyp

Konsumenten nehmen den deutschen Mittelstand als wenig innovativ wahr. Nur jeder vierte Deutsche (26 Prozent) findet, dass MittelstĂ€ndler am besten neue Produkte entwickeln können. Besonders die 16- bis 24-JĂ€hrigen trauen mittelstĂ€ndischen Unternehmen wenig Innovationspotenzial zu. In den Augen der Verbraucher können Start-ups (49 Prozent) und internationale Konzerne (30 Prozent) am besten Produktneuheiten entwickeln.


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Zu mehr Innovation und Erfolg dank konsumentenzentrierter Innovation: Konsumenten sind offen fĂŒr Co-Creation

B2B-Studien wie „Innovative Millieus. Die InnovationsfĂ€higkeit deutscher Unternehmen“ der Bertelsmann Stiftung zeigen, dass Unternehmen mit Innovationsfokus auch grĂ¶ĂŸere Markterfolge verzeichnen.** Dem Mittelstand fehlt es jedoch hĂ€ufig an einer ausgeprĂ€gten Innovationskultur. Laut der Studie mĂŒssen die Unternehmen in die digitale Transformation und ihre InnovationsfĂ€higkeit investieren. Ein SchlĂŒssel zur Steigerung des Innovationspotenzials kann der Konsument sein.


Die Studie von Appinio und Facts and Stories zeigt, dass acht von zehn Verbrauchern (82 Prozent) generell bereit wĂ€ren, einem Unternehmen bei der Entwicklung eines neuartigen Produkts zu helfen, sei es durch Befragungen oder Teilnahmen an Workshops. Seitens der Konsumenten ist also eine starke Mitmachbereitschaft zu verzeichnen.  Je offener die Menschen generell gegenĂŒber Innovationen sind, desto eher helfen sie auch bei der Entwicklung mit.


Customer-Co-Creation: In diesen Produktentwicklungsphasen wollen Konsumenten mitreden

Im Entwicklungsprozess, den ein Produkt durchlĂ€uft, sind die fĂŒr Customer-Co-Creation aufgeschlossenen Konsumenten am meisten daran interessiert, Prototypen oder erste Produktversionen auszuprobieren (65 Prozent). Besonders die 18- bis 24-JĂ€hrigen können sich dafĂŒr begeistern. Auf Rang zwei liegt mit 41 Prozent die Namensfindung fĂŒr ein Produkt, wobei Frauen dafĂŒr besonders affin sind. Auf Platz drei (40 Prozent) landet die Weiterempfehlung eines Produkts nach der MarkteinfĂŒhrung. Frauen testen und empfehlen dabei lieber als MĂ€nner. 


Die frĂŒhen Phasen der Produktentwicklung landen auf den hinteren RĂ€ngen der Beliebtheitsskala fĂŒr Customer-Co-Creation, wie die Ideenfindung fĂŒr Produktneuheiten (37 Prozent) und die Ausarbeitung von Produktkonzepten (30 Prozent). Schlusslicht bildet das Produktdesign (20 Prozent), möglicherweise weil die Umfrageteilnehmer dafĂŒr mehr Fachwissen voraussetzen.


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Food, Home Interior und Beauty am beliebtesten fĂŒr Customer-Co-Creation

82 Prozent der befragten Konsumenten wĂ€ren generell breit, Unternehmen bei der Produktentwicklung zu unterstĂŒtzen. Stellt sich die Frage, in welchen Bereichen bzw. fĂŒr welche Art von Produkten und Dienstleistungen. Die Umfrageteilnehmer, die fĂŒr Customer-Co-Creation aufgeschlossen sind, wollten in der Umfrage aus 16 Branchen maximal fĂŒnf auswĂ€hlen. Dabei fĂ€llt auf: Konsumenten wollen am ehesten bei der Entwicklung fĂŒr Produkte und Dienstleistungen mitwirken, die ihre eigene Lebenswirklichkeit stark betreffen.


Aus 16 Branchen sind die Top 5: Lebensmittel (41 Prozent), Wohnen und Einrichtung (32 Prozent), Körperpflege und Kosmetik (30 Prozent), Gesundheit und Sport (28 Prozent) sowie Tourismus und Freizeit (26 Prozent). Technologien (24 Prozent), Smart Home und IOT (22 Prozent), MobilitĂ€t und Automobil (22 Prozent) sowie Medien und Werbung (20 Prozent) landen im Mittelfeld. Auf den hinteren fĂŒnf RĂ€ngen mit Werten unter 16 Prozent befinden sich IT & TK; Immobilien; Logistik; Banken, Versicherungen und Finanzen sowie Personalmanagement. Im Geschlechtervergleich fallen verschiedene Interessen auf: Frauen unterstĂŒtzen lieber bei Lifestyle-Produkten, MĂ€nner im Bereich Tech. 


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Produktinnovationen sollten konsumentenzentriert sein, glauben zwei von drei Verbrauchern

Produktinnovationen funktionieren nur, wenn Unternehmen den Menschen, also den Kunden oder Nutzern, eine zentrale Rolle und ein Mitspracherecht zukommen lassen. Das glauben nicht nur kundenzentrierte Unternehmen, sondern auch die Verbraucher selbst. Sechs von zehn Befragten (59 Prozent) geben an, dass ein Konsument in einem Produktentwicklungsteam dabei sein muss. Jeder FĂŒnfte (18 Prozent) hĂ€lt ihn sogar fĂŒr unverzichtbar. Wichtiger als ein Verbraucher wird nur noch ein „kreativer Kopf“ (79 Prozent) eingeschĂ€tzt. Jeder Zweite hĂ€lt einen „VisionĂ€r wie Steve Jobs“ fĂŒr bedeutsam. Danach folgen ein „IT-Profi“ (44 Prozent), ein „Psychologe mit tiefem MenschenverstĂ€ndnis“ (27 Prozent) und ein „Genie Ă  la Einstein“ (21 Prozent). 

 


Learnings fĂŒr Unternehmen: Das raten die Studienverfasser

 

Jonathan Kurfess, GrĂŒnder und CEO von Appinio:

„Unternehmen, die ihre Zielgruppe oder Kunden nicht verstehen, scheitern ĂŒber kurz oder lang mit ihren neuen oder auch bestehenden Produkten. Konsequent gelebte Consumer Centricity ist heutzutage ein wesentlicher Erfolgsfaktor fĂŒr das Wachstum von Unternehmen. Es gilt, den Verbraucher als stĂ€ndigen Entscheidungshelfer zu nutzen, um Ideen zu testen und Entscheidungen mit Feedback von Konsumenten zu validieren. FrĂŒher hat das Wochen und Monate gedauert, heute geht das innerhalb von Stunden. Die starke Teilnahmebereitschaft der Verbraucher bei der Produktentwicklung sollten Unternehmen nicht ungenutzt lassen. Das wĂ€re nicht nur verschwendetes Potenzial, sondern einfach fahrlĂ€ssig im Innovationsmanagement von Unternehmen.“


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Lisa Dust, GrĂŒnderin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Facts and Stories (im Bild rechts): „Den meisten Unternehmen mangelt es nicht an innovativen Ideen, doch sie scheitern zu oft, bevor sie ĂŒberhaupt den Weg in die Umsetzung genommen haben. Ein wesentlicher Grund hierfĂŒr ist die mangelnde Validierung hinsichtlich des Marktpotenzials und der tatsĂ€chlichen BedĂŒrfnisse der Konsumenten. Um aus einer Idee eine erfolgreiche Innovation zu machen, bedarf es intensiver und vor allem praxisorientierter Marktforschung in Kombination mit kreativen Methoden, die die Zielgruppen so frĂŒh wie möglich im Innovationsprozess abholt.“ 



Karin Kiesl, GrĂŒnderin und GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von Facts and Stories:

„Die Verbindung von praxisorientierter Marktforschung und Kreativtechniken wie Workshops und Storytelling, in die die Konsumenten sehr gut einbezogen werden können, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor fĂŒr die Entwicklung von Marken und Produkten. Hier verbirgt sich großes, aber leider meist ungenutztes, Potenzial fĂŒr Unternehmen, um die Innovationsfreude wieder anzukurbeln und dadurch vor allem mit erfolgreichen Produkten konkurrenzfĂ€hig zu bleiben.“ 

 

Die gesamten Studienergebnisse haben Appinio und Facts and Stories in einem 50-seitigen Report zusammengefasst. Interessierte können den Report zu Studie "Konsumentenzentrierte Produktinnovation" unter Angabe von Kontaktdaten herunterladen.


Hier geht es zum Studienreport


Zitierte Fremdquellen:

*Industrie-Monitor: Innovation 2016, Staufen AG

**Bertelsmann Stiftung: Innovative Millieus. Die InnovationsfÀhigkeit deutscher Unternehmen


Veröffentlicht am 13.12.2019

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