Eine neue Ă„ra der Elternzeit

Appinio Research · 05.06.2023 · 6min Lesezeit

70 Prozent der MĂĽtter geben an, mehr Elternzeit als die andere sorgeberechtigte Person

Als Deutschland noch ein Land war, das von einer langen Tradition der Geschlechterrollen geprägt war, war die Frage "Wer bleibt Zuhause und kümmert sich um das Kind?" schnell geklärt - Mama. Doch heute ist die elterliche Fürsorge eben nicht mehr nur "Frauensache". Jetzt erklimmen auch Männer in Bürojobs mutig diese unerforschte Höhe und eröffnen eine völlig neue Perspektive auf das Familienleben. Wie das in Deutschland heute genau aussieht, wer Elternzeit wirklich in Anspruch nimmt und wie Kind und Karriere sich vereinen lassen, das hat Appinio in einer gemeinsamen Studie mit 5050 by OMR herausgefunden.

 

Appinio hat bei 1.000 Deutschen im Alter von 20 bis 60 Jahren, welche einer sitzenden BĂĽrotätigkeit nachgehen und mindestens ein Kind haben, gemeinsam mit 5050 by OMR nachgefragt. Hier ist, was wir herausgefunden haben: 

 

Du willst parallel noch tiefer in die Zahlen des Blogbeitrags eintauchen? Gar kein Problem. Hier geht es zum Dashboard:

 

01. Privat versus Beruflich 

Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach und belastet auch gerne hin und wieder. Lasse ich mein Kind im Stich, wenn ich häufig im BĂĽro bin? Vernachlässige ich meinen Job, weil ich Zeit mit meinem Kind verbringen möchte? Elternzeit - ja oder nein? Und wer nimmt sie? Mama? Papa? Oder doch sogar beide? Diese Fragen mussten sich sicherlich ein GroĂźteil der Eltern stellen und sich gegebenenfalls sogar entscheiden. 

 

Von den 1.000 Befragten in klassischen Bürojobs haben 46 Prozent mindestens ein Kind, 41 Prozent haben sogar zwei Kinder und 11 Prozent sogar drei Kinder. Dabei haben 38 Prozent der Befragten keine leitende Position. Dies gilt besonders für Frauen (54 %), während es bei den Männern lediglich 22 Prozent sind. Woran das liegen mag? Unklar. Dennoch gibt mehr als jeder Dritte an, dass die Entscheidung ein Kind bekommen zu haben, die Karriere negativ beeinflusst hat (37 %). 35 Prozent gehen sogar soweit zu sagen, dass sie aufgrund der Elternschaft bereits Diskriminierungen am Arbeitsplatz ausgesetzt waren.

 

02. Familienfreundliche Arbeitgeber sind gefragt

Diskriminierung am Arbeitsplatz, übergangen werden, wenn es um Beförderungen geht oder sogar Kündigung – all das nur weil man gerne ein Kind haben möchte? Na so freut man sich doch auf die eigene Familienplanung!

 

Zum GlĂĽck ist dies nicht ĂĽberall so. 63 Prozent der Befragten stufen ihren Arbeitgeber als familienfreundlich ein - weitere 21 Prozent sogar als sehr familienfreundlich. Was hier ausschlaggebend fĂĽr dieses Empfinden war?

  • Eine flexible Arbeitszeit (71 %)
  • Flexibler Arbeitsort (48 %)
  • Die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten (40 %).

 

Dies sind genau die Top-3 Gründe bei Müttern. Väter sehen dies ähnlich. Für sie ist jedoch auch noch eine familienfreundliche und unterstützende Kultur und Kommunikation ein ausschlaggebender Grund, wieso sie ihren Arbeitgeber als familienfreundlich bezeichnen würden (37 %).

 

Die Unternehmen, die als besonders familienfreundlich bewertet wurden, bieten: flexible Arbeitszeit (73 % vs. durchsch. 61 %) und -ort (59 % vs. 42 %), Teilzeit (59 % vs. 56 %), und familienfreundliche Kultur (48 % vs. 30 %), Kinderbetreuung im Unternehmen (26 % vs. 18 %) und 19 % vs. 14 % Jobsharing Modelle.

03. Elternzeit - Kürzer oder länger?

In einer sich wandelnden Welt der Familienarbeit brechen traditionelle Rollenmuster auf, während immer mehr MĂĽtter und Väter die Gelegenheit ergreifen, die kostbare Zeit mit ihren Kindern in der Elternzeit zu genieĂźen. So ist es zumindest heutzutage in der Theorie, aber wird es wirklich von beiden Eltern gleichermaĂźen genutzt? 

 

70 Prozent der MĂĽtter geben an, mehr Elternzeit als die andere sorgeberechtigte Person genommen zu haben – dass die Elternzeit gleich aufgeteilt war, geben 27 Prozent der Befragten und 40 Prozent der befragten Väter an. Der Grund? Oft finanziell. 47 Prozent geben an, dass sie aus finanziellen GrĂĽnden die Elternzeit so genommen haben, wie angegeben. Ein weiterer Grund ist die mangelnde Freude an der Care-Arbeit/Erziehung sowie des Vater- oder Mutterseins (30 %). 42 Prozent machen sich auĂźerdem Sorgen, um die negativen Konsequenzen fĂĽr ihre Karriere, wenn sie Elternzeit nehmen. 

Bei der nächsten Elternzeit wollen die Deutschen sich mehr Zeit nehmen04. Nimm dir die Zeit!

"Beim nächsten Mal mach ich es anders." Dies scheinen sich viele Deutsche gedacht zu haben. Jeder zweite (49 %) der Elternteile gibt an, bei einer erneuten Elternzeit mehr nehmen zu wollen, als beim vergangenen Mal. Vor allem Väter geben an, bei einer erneuten Elternzeit mehr nehmen zu wollen (59 %) – gleichzeitig geben aber auch 15 Prozent der Väter (ebenso wie 10 Prozent der MĂĽtter) an, weniger zu nehmen. Hier haben sich einfach seit dem letzten Mal die Prioritäten verändert (34 %) und man möchte sich mehr um die persönlichen BedĂĽrfnisse des Kindes kĂĽmmern (35 %). 

 

Die Gründe für Männer und Frauen sind hier ähnlich. Immer mehr Männer entscheiden sich dafür, ihre Elternzeit zu verlängern, da sich ihre Prioritäten verschoben haben und sie nun eine intensivere Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten (36 % vs. 32 % der Frauen). Obwohl ein finanzieller Anreiz fehlt (34 % vs. 26 % der Frauen), erkennen sie auch die individuellen Bedürfnisse ihres Kindes, die eine längere Betreuung durch die Eltern erfordern (33 % vs. 37 % der Frauen). Außerdem sind 39 Prozent der Befragten der Meinung, dass es einen Mangel an passenden Stellen gibt, die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf ermöglichen.

05. Ist es wirklich egal, wer Elternzeit nimmt?

Nein - sagen die Deutschen. 30 Prozent haben das Gefühl, dass eine längerfristige Elternzeit bei Müttern und Vätern in ihrem Unternehmen noch nicht gleichermaßen akzeptiert ist. 42 Prozent gehen noch einen Schritt weiter und sagen, dass eine längerfristige Elternzeit bei Müttern und Vätern gesellschaftlich noch nicht gleichermaßen akzeptiert ist.

 

Hier bestehen Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei Frauen sind es sogar 48 %, bei Männern “nur” 36 %. Bis dato scheinen Männer häufiger auf längere Elternzeit zu verzichten. Fast jeder zweite Befragte gibt an, keinen Vater zu kennen, der mehr als die durchschnittliche Anzahl an Monaten genommen hat (44 %).

06. Fazit

Fazit ist: Wir haben als Gesellschaft noch einen langen weg vor uns. Auch wenn Arbeitsmodelle zunehmend familienfreundlicher werden, die Realität zeigt, dass die Entscheidung zur Aufteilung der Elternzeit nach wie vor auf finanziellen Ressourcen basiert. Menschen werden noch immer aufgrund ihrer Elternschaft im Arbeitsumfeld diskriminiert oder sorgen sich um  mögliche negativen Konsequenzen fĂĽr ihre Karriere, sollten sie Elternzeit nehmen. 

 

Es ist an der Zeit, dass beide Elternteilen die gleichen Möglichkeiten gegeben werden, an den ersten Monaten des Kindes teilzunehmen. Ganz ohne Sorge um Karriereeinschränkungen oder finanziellen Druck!

 

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