Karriere oder Kind - Muss man sich heutzutage wirklich noch entscheiden?

Kind oder Karriere? Oder doch Karriere und Kind? Fragen, die sich heutzutage viele berufstätige Frauen stellen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Denn auch heute haben Frauen, die Karriere machen möchten, es oft noch ungleich schwerer als ihre männlichen Kollegen. Gemeinsam mit 5050 by OMR hat Appinio bei 622 Frauen im Alter von 18 bis 54 in klassischer Bürotätigkeit in einer Studie nachgefragt, wie sie ihre Karrierechancen mit und ohne Kind betrachten. Diskriminierung am Arbeitsplatz, Chancengleichheit und Zukunftsängste. Was beschäftigt die berufstätigen Frauen in Deutschland und welche Erfahrungen haben sie bereits in Bezug auf Karriere mit Kindern gesammelt. All das und mehr hier einmal kompakt.

 

Was versteht man unter Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Wenn wir von Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, dann meinen wir damit die Fähigkeit, eine Balance zwischen der eigenen Karriere und Familie zu schaffen - ohne dabei Abstriche für das eine oder das andere machen zu müssen.  Eine Thematik, mit der sich viele Frauen jeden Tag auseinandersetzen müssen, wenn es um Zukunftsentscheidungen in ihrem Beruf geht. Denn auch heutzutage sind sie meist (noch) in der Hauptverantwortung, wenn es um die Kinderbetreuung geht. Rund 62 Prozent der Befragten geben an, dass sie den Großteil der Aufgaben zuhause trotz Berufsleben erledigen. Nur 35 Prozent teilen sich die Pflege-Arbeit, oder auch Care-Arbeit genannt, fair auf. Dazu kommt, dass drei von vier Befragten keine externe Hilfe für die Care-Arbeit haben, wie beispielsweise Babysitter, eine Nanny oder die Familie. Jede zweite Mutter in einer Führungsposition (54%) unterstützt die Vermutung, dass die Entscheidung, ein Kind zu kriegen, die Karriere negativ beeinflusst. Auch Frauen ohne Kinder scheinen diese Sorge zu teilen. Rund 44% geben an, dass sie in der Vergangenheit davon abgesehen haben, Karriere mit Kind zu machen. Bestätigt wird dies davon, dass sich bei fast jeder zweiten Frau die Familienplanung aufgrund der Karriere zeitlich nach hinten verschiebt (44%). Dabei ist 78 Prozent der befragten Frauen ihre Karriere eher wichtig bis sehr wichtig, unabhängig davon, ob sie bereits Kinder haben oder nicht. Ob Männer und Frauen sich hier die gleichen Fragen und der gleichen Herausforderung stellen? Eher nicht, findet auch Cawa Younosi (Global Head of People Experience & Global Head of People für SAP) und sieht ganz klaren Handlungsbedarf beim Arbeitgeber:

Gleichberechtigung sollte auch bedeuten, dass Männer und Frauen sich in Bezug auf ihre Karriere die gleichen Fragen stellen. Solange sich Frauen die Frage stellen, ob Kinder mit ihrer Karriere vereinbar sind oder gravierende Nachteile für diese bedeuten, sind wir nicht gleichberechtigt. Als Arbeitgeber müssen wir genau dort ansetzen. - Cawa Younosi 

Was sind die Gründe für mangelnde Vereinbarkeit?

Im Jahre 2022 sollten Familie und Beruf sich nicht gegenseitig ausschließen – denkt man. Trotzdem hat mehr als jede dritte Frau (37%) bereits jetzt das Gefühl, nicht ausreichend Zeit und Kapazitäten für die persönliche Entwicklung und Hobbies zu haben, unabhängig ob mit oder ohne Kinder. Dazu kommt, dass jede dritte Deutsche das Gefühl hat, weniger in ihrem Job zu verdienen als ihre männlichen Kollegen (33%) und auch daran zweifelt, ob sie die gleichen Chancen im Beruf wie diese haben (32%). Aber die Sorgen beschränken sich nicht nur auf das Thema „Kind – ja oder nein?“, sondern auch auf die Zukunft. Denn was passiert nach der Schwangerschaft, dem Mutterschutz und einer etwaigen Elternzeit? Mehr als jede zweite Befragte (55%) hat Sorge um die potenzielle Überbelastung, die ein Kind mit sich bringt. Darüber hinaus zweifeln rund 41 Prozent an den Wiedereinstiegs-Optionen nach einer derartigen Pause. Es ist fraglich, ob sich Männer die gleichen Fragen stellen müssen, bevor sie sich für eine Karriere oder Familienleben entscheiden. All diese Sorgen beschäftigen Frauen und kreieren eine Hemmschwelle, wenn es darum geht, Mutter sein und Karriere unter einen Hut zu bringen.  

Wann ist ein Unternehmen familienfreundlich? 

Diskriminierung im Arbeitsumfeld ist auch heute noch keine Seltenheit. So geben 38 Prozent der Mütter an, aufgrund ihrer Elternschaft am Arbeitsplatz bereits diskriminiert worden zu sein. Also was können Unternehmen aktiv tun, damit das Arbeitsklima familienfreundlicher wird und somit auch Frauen während oder nach Schwangerschaft alle Türen offen stehen? Derzeit gibt nur jede vierte Befragte an, dass sie das Gefühl hat, problemlos Kinder in ihrem Unternehmen kriegen zu können. Dabei gibt es heute so viele Möglichkeiten, um das Arbeitsklima zu verbessern und Chancengleichheit zu ermöglichen. Hier ist das Stichwort „Gleichberechtigung“. Flexible Arbeitszeiten, Unterstützung von aktivem Austausch von Frauen in Führungspositionen mit Kindern und Kinderbetreuung sind häufige Maßnahmen für Gleichberechtigung. 83 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen auf diese Aspekte zumindest teilweise achtet und diese auch fördert. Auch Mentoring Programme sind hierbei eine große Unterstützung, wenn es um Karriere und Kind geht. Die Co-Gründerin von FC Viktoria Berlin und Co-Host vom Podcast FAST & CURIOUS Verena Pausder setzt sogar noch einen drauf und fordert Ganztagsbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Equal Pay und Job Sharing. Denn laut ihr sind nur diverse Teams erfolgreich:

Wir können es uns im Fachkräftemangel nicht länger leisten, dass Frauen sich zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. - Verena Pausder 

Source: Pexels | Image: Ketut Subiyanto

Fazit: Es ist noch Luft nach oben.  

Auch wenn Unternehmen sich mehr in Richtung Chancengleichheit bewegen, lässt sich dennoch erkennen, dass noch einiges geschehen muss, bis diese wirklich im Berufsleben gegeben ist. Dies bestätigt auch die Rechtsanwältin und Autorin Sandra Runge, denn sie sagt:

Diese Studie stellt erneut unter Beweis: Eltern, vor allem Mütter, werden in der Arbeitswelt systematisch diskriminiert. Aus meiner langjährigen Praxis als Rechtsanwältin kann ich bestätigen, dass der gesetzliche Schutz vor Benachteiligungen unbedingt verbessert werden muss. Dazu zählt vor allem die Einführung eines neuen Diskriminierungsmerkmals Elternschaft/Fürsorgeleistung in das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. - Sandra Runge 

Nun gilt es, dieses Wissen und Tipps in der Arbeitsalltag zu integrieren, ein Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern zu kreieren und einen New Way of Work zu erschaffen, damit Familie und Beruf keine "Entweder-Oder" Entscheidung mehr ist.

 

Du möchtest noch tiefer in das Thema eintauchen und die Daten genauer betrachten? Kein Problem.