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Internationaler Frauentag: Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung
Veröffentlichung: 5. März 2021

Vier Frauen im Gespräch

Am 8. März ist internationaler Frauentag. Frauen werden im Beruf und Privatleben systematisch benachteiligt, der Welttag macht daher auf die immer noch vorherrschende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Das Hamburger Marktforschungsunternehmen Appinio hat in einer repräsentativen Umfrage (nach Alter und Geschlecht) in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien mit jeweils 1.000 Frauen und Männern herausgefunden, wie über Gleichberechtigung gedacht wird und was es braucht, um bestehende Benachteiligungen zu überwinden.

 

9 von 10 Frauen fühlten sich bereits diskriminiert

89 Prozent der befragten Frauen in Deutschland haben sich bereits aufgrund ihres Geschlechts gegenüber Männern diskriminiert bzw. benachteiligt gefühlt. Das steht im starken Kontrast zur Wahrnehmung des anderen Geschlechts: nur 66 Prozent der Männer gaben an, sich Frauen gegenüber privilegierter gefühlt zu haben. Nur jede zehnte Frau sagt, dass sie sich noch nie aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert oder benachteiligt gefühlt hat (neun Prozent). 

 

Mehr als eine von vier Frauen (28 Prozent) erfuhr wegen ihres Geschlechts „schon öfter“ Diskriminierung bzw. Benachteiligung. Spitzenreiter ist Spanien mit 33 Prozent, auf dem dritten und vierten Platz folgen Frankreich (26 Prozent) und das Vereinigte Königreich (18 Prozent). Vor allem viele junge Frauen in Deutschland (16 bis 24 Jahre) haben sich schon öfter benachteiligt gefühlt (42 Prozent). Auch hier stehen junge Frauen aus Spanien mit 49 Prozent auf Platz 1. Im Kontrast dazu geben 35 Prozent der 55- bis 65-jährigen Frauen in Deutschland an, solche diskriminierenden Erfahrungen selten zu machen und liegen damit weit höher als der Durchschnitt (22 Prozent).  

 

 

 

 

Defizite bei Lohn, Aufstiegschancen sowie Haushaltsfragen

Wo werden Frauen konkret benachteiligt? Hier liegt vor allem das Thema Beruf ganz vorne: Die Befragten sehen beim Thema Gehalt (47 Prozent), den Karrierechancen (32 Prozent) sowie der Wahl des Berufs (29 Prozent) eine gewisse Ungleichheit. Aber auch im privaten Bereich bei der Aufgabenverteilung von Hausarbeit (38 Prozent), Kindererziehung bzw. -betreuung (26 Prozent) sowie in der Partnerschaft/Ehe allgemein (19 Prozent) wird eine Benachteiligung wahrgenommen. Auch in den anderen Ländern stehen der Gehaltsaspekt sowie die Verteilung der Hausarbeit ganz oben. 

 

Das zeigt: Die Ungleichheit der Geschlechter ist kein nationales, sondern ein globales Problem. Hierzulande geben 69 Prozent der Frauen an, in Sachen Gleichberechtigung müsse noch einiges getan werden. Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Wert sogar bei 85 Prozent, in Spanien und Großbritannien etwas niedriger (65 bzw. 71 Prozent).

 

 

Auf der Suche nach Gleichberechtigung am Arbeitsplatz

Vor allem im beruflichen Kontext sticht die geschlechtsspezifische Ungleichheit heraus. Durch die späte Eingliederung von Frauen in den Arbeitsmarkt existieren bis heute diverse Barrieren, die eine Gleichstellung gegenüber Männern erschweren. Der Schritt zu mehr Chancengleichheit ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der sich auch Unternehmen beteiligen müssen. 

 

Schaut man näher auf die Rolle von Unternehmen, denkt mit 23 Prozent nur eine Minderheit der Befragten , dass momentan genug für geschlechtsspezifische Chancengleichheit geleistet wird. Dieser Wert unterscheidet sich abermals stark bei Frauen und Männern (15 vs. 33 Prozent). Hingegen sehen 60 Prozent bei Unternehmen Nachholbedarf in Sachen Frauenförderung. Der Wert ist nur im Vereinigten Königreich niedriger (54 Prozent), in Spanien (70 Prozent) sowie Frankreich (68 Prozent) sehen sogar noch mehr Befragte die Unternehmen in der Bringschuld. Auch hier unterscheidet sich die Wahrnehmung zwischen den Geschlechtern: Während 69 Prozent der Frauen sagen, es müsse mehr in den Unternehmen getan werden, denkt lediglich die Hälfte der befragten Männer so (51 Prozent). 

 

 

Work-Life-Balance weiterhin hohes Gut

Die COVID-19-Pandemie hat uns noch stärker vor Augen geführt, wie wichtig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Ein überwältigender Teil der Befragten ist sich einig: Hier herrscht noch Nachholbedarf. Nur jeder Zehnte findet den momentanen Zustand so gut wie er ist (10 Prozent). Hingegen wünschen sich 61 Prozent flexiblere Arbeitszeiten für Männer und Frauen. Dieser Wert ist in Spanien sogar noch etwas höher (64 Prozent), in Frankreich mit 50 Prozent allerdings viel niedriger. Darüber hinaus fordert die Hälfte der Frauen (49 Prozent) in Deutschland noch mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung. In Frankreich sind es lediglich 39 Prozent. Auch sprechen sich 41 Prozent aller Befragten für eine bessere finanzielle Entlohnung von Frauen mit Kindern, 38 Prozent für eine bessere Entlohnung für Väter aus. Eine stärkere finanzielle Unterstützung durch den Staat für Mütter befürworten 37 Prozent, für Männer mit Kindern sollte es laut 32 Prozent der Befragten mehr finanzielle Unterstützung durch den Staat geben.

 

 

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